Jeder kennt ihn, jeder hat ihn gelegentlich, und keiner mag ihn: Stress. Er ist die körperliche und psychische Reaktion des eigenen Körpers auf äußere Belastungen oder Veränderungen. Mit diesem Geschehen passt ein Lebewesen sich an besondere Umweltbedingungen oder Anforderungen an. Im Grunde ist Stress also nötig, um Herausforderungen überhaupt bewältigen zu können. Aber mehr noch als wir Menschen sind Pferde dieser inneren oder äußeren Anspannung ausgesetzt: Die Stressfaktoren sind vielfältig und werden oft gar nicht als solche erkannt. So lassen sie sich nicht abstellen und können Pferden das Leben schwer machen. Deshalb ist es wichtig, dass du dein Pferd genau beobachtest und auch auf unterschwellige Anzeichen achtest. Auch ein stabiles Vertrauensverhältnis stärkt dein Pferd und hilft ihm in ungewohnten Situationen besser zurechtzukommen.

Was passiert im Körper deines Pferdes, wenn es gestresst ist?

Stress kann akut in einer bestimmten Situation auftreten, oder langfristig aufgrund dauerhaft bestehender Einflüsse.

Akuter Stress: 

Bei akutem Stress schaltet der Körper des Pferdes in den Fluchtmodus. Die Botenstoffe Adrenalin und Noradrenalin stellen schnelle Energie bereit und ermöglichen effektives „Wegrennen“. Puls und Atemfrequenz sind erhöht, die Bronchien geweitet und das Fluchttier Pferd ist gewappnet, um einer Gefahr zu entkommen.

Dauerstress: 

Steht das Pferd dauerhaft unter Druck, steigt der Cortisol-Spiegel im Körper. Stresshormone halten den Organismus in Alarmbereitschaft und versetzen das Muskelgewebe in ständige Anspannung. Zugleich wird der Stoffwechsel beeinflusst und das Immunsystem geschwächt. Dieser Zustand beeinträchtigt das Wohlbefinden von Pferden maßgeblich und seine Folgen für die Gesundheit können schwerwiegend sein.

Was kann bei Pferden Stress auslösen?

Sozialverhalten:

Als Herdentiere sind Pferde für ihr Wohlbefinden auf ein intaktes soziales Gefüge angewiesen. Dennoch ist nicht automatisch eine Herde ein Garant für eine stressfreie Umgebung. Die Rangordnung, das Platz- und Futterangebot sowie vorhandene Bewegungsanreize beeinflussen wesentlich mit, ob und wie die Tiere miteinander auskommen. Ständige oder heftige Rangeleien sorgen nicht nur für ein erhöhtes Verletzungsrisiko, sondern auch für Stress in der Herde und für einzelne Pferde.  

Haltung:

Ob ein Pferd in der Box, im Offenstall oder im Paddock mit Weidegang steht, wirkt sich sowohl auf die mentale Ausgeglichenheit als auch auf die körperliche Gesundheit entscheidend aus. Wichtig ist, dass die jeweilige Haltungsform individuell zum Pferd passt und seinen Bedürfnissen entspricht. Grundsätzlich brauchen Pferde die Möglichkeit, sich mehrere Stunden pro Tag frei bewegen und dabei Kontakt zu Artgenossen pflegen zu können. Einzelhaltung und fehlender Auslauf bedeuten Stress.

Fütterung:

Belastung entsteht für Pferde häufig durch unpassende Fütterung. Hohe Kraftfuttergaben, die auf einmal gegeben werden, anstatt auf drei Mahlzeiten verteilt, können den Magen-Darm-Trakt belasten. Auch zu lange Fütterungspausen oder nicht an die körperliche Aktivität angepasste Fütterung stören das sensible innere Gleichgewicht gleichermaßen wie eine zu knappe Rationierung in der Rangordnung, die rangniederen Tieren stressfreies Fressen unmöglich macht.

Ausrüstung:

Passt die Ausrüstung nicht zum Pferd, steigt der Druck und entstehen Verspannungen, Schmerzen und negative Assoziationen. Sowohl Sattel als auch Zaum müssen regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf angepasst oder ausgetauscht werden. 

Training und Wettkampf:

In Training und Wettkampf entstehen für Pferde Belastungsspitzen oder Dauerstress, wenn Leistungsniveau, Trainings- und Gesundheitszustand nicht sorgfältig aufeinander abgestimmt werden. Systematisches Training, ein fairer Turnierplan und eine solide Vertrauensbasis zwischen Pferd und Reiter erleichtern den Tieren ständige Umgebungswechsel und Transporte, die oftmals auch bei großer Hitze stattfinden.

Schmerzen:

Wer sich Schwäche nicht leisten kann, zeigt sie nicht: Als Fluchttiere signalisieren Pferde erst spät, wenn sie Schmerzen haben und leiden lange Zeit still. Bleibt dies vom Pferdebesitzer unbemerkt, können sich daraus chronische Schmerzzustände entwickeln. Wiederkehrende oder anhaltende Schmerzen sind ein häufiger Stressfaktor.

Wie du erkennst ob dein Pferd Stress hat?

Die möglichen Anzeichen, ob ein Pferd gestresst ist, sind sehr vielfältig. Den Symptomen können in den meisten Fällen ebenso andere Ursachen oder Fütterungsfehler zugrunde liegen. Pferdebesitzer und Reiter sollten ihr Pferd aufmerksam beobachten und gegebenenfalls die Lebensbereiche des Pferdes auf Stressoren prüfen. Hinweise können sein:

  • Stressgesicht
  • Schmerzgesicht
  • Kotwasser
  • Koliken
  • Teilnahmslosigkeit
  • Zähneknirschen
  • Magenschmerzen

Wie kannst du Stress bei deinem Pferd effektiv vorbeugen?

Vertrauen als Basis

Stress lässt sich nicht ganz vermeiden: Er begleitet zumindest situativ die eine oder andere Veränderung oder Herausforderung. Damit Pferde dennoch möglichst gelassen bleiben und positiv aus diesen Situationen herausgehen können, hilft ihnen eine starke Vertrauensbasis. Bei großer Aufregung wirkt eine enge Bezugsperson, zu der das Pferd Vertrauen hat, stresslindernd.

Unbekanntes üben

Die Möglichkeit, unbekannte Situationen im Vorfeld zu üben, kann nicht hoch genug geschätzt werden. Viele Abläufe wie Verladen, Untersuchungen, Hufschmied lassen sich durch regelmäßige Übungen gut vorbereiten und können auf diese Weise zur Routine werden. Pferdebesitzer ersparen ihrem Pferd sehr viel Stress, wenn sie sich Zeit für solche kleinen Trainingseinheiten nehmen.

Veränderungen lieber schrittweise

Umstellungen in Fütterung und Haltung sollten grundsätzlich schrittweise erfolgen. Besonders der Verdauungstrakt des Pferdes ist sensibel und gewöhnt sich am besten durch eine 14-tägige Umstellungsphase an neues Futter. Auch bei Stallwechsel oder der Eingewöhnung in eine neue Herde tun Pferde sich leichter, wenn sie zunächst „über den Zaun“ und dann an einzelne Artgenossen gewöhnt werden.  

Starke Begleitung

Je größer die Angst, desto größer der Stress, ganz klar: Bleibt aufgrund der Dringlichkeit keine Zeit, ein Pferd behutsam an eine neue Herausforderung zu gewöhnen, hilft ihm starke Begleitung. Geht ein vertrautes und erfahrenes Pferd vor, fällt es leichter, vorbei an der blauen Tonne oder in den Pferdehänger zu gehen. 

So kannst du dein Pferd ernährungsphysiologisch unterstützen, wenn es gestresst ist

Weil Stress an die Nerven geht – im wahrsten Sinne des Wortes, können bestimmte Nahrungsbausteine tatsächlich helfen, in stressigen Situationen besser klarzukommen. 

Vitamin B12

Vitamin B 12 benötigt der Körper für die Blutbildung sowie für ein intaktes Nervengewebe. Eine bedarfsgerechte Versorgung mit Vitamin B 12 unterstützt nervliche Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit des Pferdes.

Magnesium

Magnesium trägt zur Muskelentspannung bei und beugt Verspannungen und Muskelkrämpfen vor. Der Mineralstoff beeinflusst zudem die Enzymaktivität im Nervengewebe und wirkt beruhigend und stresslindernd.

L-Tryptophan

Die essenzielle Aminosäure Tryptophan wird im Körper zu Serotonin umgewandelt. Das „Glückshormon“ hebt die Stimmung, fördert die innere Ausgeglichenheit und wirkt Schreckhaftigkeit und Nervosität entgegen.

Versorge dein Pferd gezielt

Du siehst, Stress kann auch für dein Pferd ein Thema sein. Es ist kein Grund für ein schlechtes Gewissen, wenn du bemerkst, dass dein Pferd gestresst ist. Im Gegenteil: Nur so kannst du ihm helfen. Prüfe seine Lebensbedingungen genau und stärke es mit individueller Fütterung. 

Um Pferde in Stressphasen oder Dauerstresser unterstützen zu können, ist es empfehlenswert ein Ergänzungsfutter zu füttern. Hierbei ist darauf zu achten, dass es die oben genannten Inhaltsstoffe Magnesium, B12 und L-Tryptophan enthält. In der Regel profitieren Pferde schon nach wenigen Tagen von der Zufütterung und werden entspannter, ruhiger und gelassener.