Was du über das Immunsystem des Pferdes wissen solltest

Sprechen wir über das Immunsystem des Pferdes, merken wir schnell, dass seine Funktion eng mit dem allgemeinen Gesundheits- und Ernährungszustand des Pferdes verknüpft ist – und umgekehrt. Die Fütterung beeinflusst den Mineralhaushalt, die Vitaminversorgung und die Zufuhr an Spurenelementen und liefert den „Brennstoff“ für die eigenen Abwehrkräfte. Diese sind enorm wichtig, damit unser Pferd fit bleibt oder im Krankheitsfall und nach einer Verletzung schnell wieder gesund wird, das wissen wir schon. Es sorgt für den Schutz aller lebenswichtigen Organe und Prozesse im Körper und ist praktisch ständig im Einsatz, bei einem Insektenstich sowie bei Asthma oder Hufrehe. 

Aber was macht das Immunsystem von Pferden eigentlich genau? Hier erfährst du, was im Körper deines Pferdes passiert, wenn Keime oder Krankheitserreger einen Angriff starten, wie du ein geschwächtes Immunsystem erkennst, und was du selbst tun kannst, um dein Pferd und seine Abwehrkräfte zu unterstützen.

Wie funktioniert das Immunsystem deines Pferdes?

Mechanismen des Immunsystems

Die Abwehrfunktion des Körpers vor Krankheitserregern und Keimen beginnt schon mit der Schutzwirkung von Fell und Haut, die Mikroorganismen und Schadstoffen das Eindringen in die Blutbahn schwer machen. Das Flimmerepithel der Atemwege fördert den Abtransport von Fremdstoffen und die Magensäure tötet eine Vielzahl von Keimen ab. 

Überwinden Erreger diese anatomischen Barrieren, so werden sie von der unspezifischen Abwehr angegriffen. Ihre Abwehrzellen wie zum Beispiel Fresszellen sind im Körper von Geburt an vorhanden und auch bei Entzündungsgeschehen oder Wundheilung zur Stelle.

Im letzten Schritt richtet sich die spezifische Abwehr gegen sie: Sogenannte B-Zellen entwickeln Antikörper und liefern eine „maßgeschneiderte“ Immunantwort auf genau diesen Angreifer. Der damit erworbene Schutz bleibt durch das immunologische Gedächtnis über einen langen Zeitraum bestehen.

Immunzellen im Darm

Genau wie der Mensch braucht das Pferd für ein funktionierendes Abwehrsystem eine intakte Darmflora. Über 70 % der Immunzellen des Pferdes befinden sich auf der Darmschleimhaut und bilden einen wesentlichen Teil des Immunsystems. Gerät die empfindliche Balance im Verdauungstrakt aus den Fugen, kann das unzureichende Futterverwertung sowie verminderte Leistung der körpereigenen Abwehr zur Folge haben.

Allergie

Bei einer Allergie handelt es sich um eine überschießende Immunreaktion: Das bedeutet, die Unterscheidung von harmlosen Fremdstoffen und Krankheitserregern gelingt nicht. Das Immunsystem entgleist und meldet für den Organismus eine vermeintliche Bedrohung. 

Woran erkennst du ein geschwächtes Immunsystem beim Pferd?

Atemwege

Ist das Immunsystem des Pferdes geschwächt, kann sich das in wiederkehrenden Erkrankungen der Atemwege wie Husten oder Bronchitis bemerkbar machen. 

Haut, Fell und Hufe

Eine verzögerte Wundheilung, Pilzinfektionen, Ekzeme oder Sarkoide können die Folge ernährungsbedingter Mängel sein, die zur Schwächung der Abwehrkräfte führen können.

Verminderte Hufqualität, die sich in sprödem und rissigem Horn zeigt sowie stumpfes, brüchiges Fell liefern einen Hinweis auf eine mögliche Unterversorgung.

Parasitenbefall

Geschwächte Abwehrkräfte können Ursache für hartnäckigen oder immer wieder auftretenden Befall durch Würmer, Milben oder Haarlinge sein, der eine weitere Schwächung des Pferdes zur Folge hat und ohne gezielte Behandlung zu schweren Schäden führen kann.

Fellwechsel

Auch Pferden, die der Fellwechsel sehr mitnimmt, hilft oftmals eine angepasste Nährstoffzufuhr, um die Funktion von Stoffwechsel und Immunsystem zu unterstützen. Sind sie in dieser Zeit besonders müde und schlapp oder verlieren an Körpergewicht, ist dies ein ernstzunehmendes Alarmsignal.

Allgemeine Symptome

Bei Müdigkeit, Leistungsabfall oder Durchfallproblemen ist es angezeigt, den Gesundheits- und Versorgungsstatus des Pferdes zu prüfen.

Wie kann es zu einem geschwächten Immunsystem kommen?

Verdauungstrakt

Die Ursachen für eine Schieflage der Abwehrkräfte sind vielfältig: Kommt es zu einem Ungleichgewicht in der Darmflora, verschiebt sich das Verhältnis von nützlichen und schädlichen Mikroorganismen. Diese Verschiebung zieht eine Veränderung des Darmmilieus nach sich, und lebenswichtige Nährstoffe aus dem Futter können nicht mehr richtig aufgespalten und verwertet werden. Durch die unzureichende Futterverwertung kommt es zu Mangelerscheinungen.

Stress und Belastung

Pferde, die stark beansprucht werden und im Leistungssport körperlich und mental sehr gefordert sind, geraten schnell in eine Unterversorgung. Stress entsteht durch Transporte, Umgebungs- und Stallwechsel oder Überforderung. 

Sowohl durch fehlerhaftes Training als auch durch die Haltungsbedingungen können Pferde in Anspannung und negative Emotionen geraten. Zu wenig Bewegung an der frischen Luft oder ständige Unruhe in der Herde sind mögliche Belastungsfaktoren.  

Stress löst im Körper Vorgänge aus, die aggressive Stoffe freisetzen. Durch diese sogenannten freien Radikale entstehen Zellschäden, und das Immunsystem kann darunter leiden.

Eingriffe und Verletzungen

Verletzungen oder Operationen, die zu langen Ruhezeiten oder hohem Blutverlust geführt haben, können in der Folge das Immunsystem schwächen.

Alter und Erkrankungen

Auch ein höheres Alter, eingeschränkte Stoffwechselfunktion sowie chronische Erkrankungen führen zu einer nachlassenden Abwehrkraft.

Wie kannst du das Immunsystem deines Pferdes stärken?

Voraussetzung für eine lange Gesunderhaltung des Pferdes ist zunächst eine artgerechte Haltung. Dazu gehören ausreichend lange Fresszeiten, Ruhe bei der Futteraufnahme und die Vermeidung von anhaltender körperlicher oder mentaler Überforderung des Tieres. 

Auch die Futterqualität ist maßgeblich für den Erhalt eines intakten Verdauungssystems und Stoffwechsels. Den mengenmäßig größten Teil der Nahrung macht das Heu aus: Faserreiche Struktur, Reinheitsgrad und Nährstoffgehalt tragen zur Pferdegesundheit bei. 

Vitamin A

Vitamin A benötigt der Körper für den Epithelschutz und den Erhalt intakter Schleimhäute. Schleimbildende Zellen der Atemwege, des Magen-Darm-Trakts, der Harnwege und Geschlechtsorgane erhalten den schützenden Feuchtigkeitsfilm. Die Aktivität der Zellen ist abhängig von ihrer Versorgung mit Vitamin A. 

Vitamin C und E

Die Vitamine C und E verfügen über eine antioxidative Wirkung: Sie fangen freie Radikale ab und schützen so die Zellen vor Schädigungen durch aggressive Sauerstoffverbindungen, die bei normalen Stoffwechselvorgängen im Körper entstehen. Die Antioxidantien unterstützen zugleich Hautqualität, Wundheilung und Infektionsschutz.

B-Vitamine mit Biotin

Die Vitamine der B-Gruppe tragen in ihrer Gesamtheit zum Aufbau einer gesunden Hautbarriere sowie Hufqualität bei und spielen eine Rolle für die Haar- und Blutbildung. Sie sind an der Funktion der Nervenzellen, der Entgiftungsprozesse und am Immunstoffwechsel beteiligt. 

Vitamin D, Kalzium, Phosphat

Kalzium, Vitamin D und Phosphat müssen in einem bestimmten Gleichgewicht vorliegen und werden vom Körper für eine funktionierende Immunabwehr genutzt.

Du siehst also, dass ein gut funktionierendes Immunsystem sehr stark von der Fütterung abhängt. Damit es optimal arbeiten kann, benötigt es ganz bestimmte Nährstoffe in einer ausreichenden Menge. Oftmals kann dies durch die normale Fütterung nicht gedeckt werden oder ein nicht optimaler Darm verhindert die bestmögliche Aufnahme dieser Stoffe. Hier macht es Sinn, die fehlenden Nährstofflücken gezielt durch gute Ergänzungsfutter zu  schließen und das Pferd dadurch optimal zu versorgen.