Hufrehe beim Pferd

Hufrehe gilt als eine der gefürchtetsten Erkrankungen des Pferdes. Sie ist ausgesprochen schmerzhaft und erfordert sofortiges Handeln. Betroffene Pferde zeigen je nach Schweregrad mehr oder weniger typische Symptome. Als Fluchttiere signalisieren Pferde erst spät, wenn sie Schmerzen haben. Dadurch werden erste, frühe Anzeichen oftmals nicht erkannt. 

Manche Pferderassen neigen eher zu Hufrehe als andere, aber auch nicht disponierte Pferde und Ponys können plötzlich erkranken, sowohl akut als auch chronisch. Deshalb ist es wichtig, die Zusammenhänge zu verstehen und zu wissen, was bei einem Reheschub im Huf abläuft. Wenn du weißt, welchen Einfluss die Ernährung hat, kannst du dein Pferd durch korrekte Fütterung gut unterstützen: Damit beugst du Hufrehe vor und reduzierst das Risiko eines Rückfalls nach überstandener Krankheit. 

Weil Hufrehe sehr häufig in Folge einer Stoffwechselentgleisung auftritt, ist es grundsätzlich angezeigt, Fütterung und Haltung gewissenhaft zu prüfen. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen gelieferter Energie und Bewegung: Viele Pferde haben deutlich zu wenig Bewegung und bekommen dennoch nahrhaftes Futter – dabei sind auf lange Sicht gesundheitliche Probleme zu erwarten. 

Was passiert bei Hufrehe im Pferdehuf?

Das Hufbein des Pferdes ist elastisch in der Hornkapsel aufgehängt. Ähnlich einem Klettverschluss gibt eine spezielle Lamellenstruktur Halt und Flexibilität in der Bewegung. 

Wird diese empfindliche Lamellenstruktur in der Hornkapsel zu wenig durchblutet, kommt es durch geringe Sauerstoff- und Nährstoffversorgung zu Schäden an diesem Gewebe. 

In der Folge entzündet sich die Huflederhaut. Entzündungsreaktionen wie Schwellungen sowie Flüssigkeitsansammlungen verursachen hier besonders starke Schmerzen, weil der steigende Druck innerhalb der festen Hornkapsel nicht entweichen kann.  

Ist die Verankerung des Hufbeins geschädigt, kann sich die Lage des Hufbeins in der Aufhängung verändern: Das Hufbein sinkt ab oder rotiert, wodurch noch mehr Druck auf die Hufsohle entsteht. Dieser Zustand ist äußerst schmerzhaft für das Pferd. 

Deshalb ist bei Verdacht auf Hufrehe sofort ein Tierarzt zu rufen. Je früher der entzündliche Prozess gestoppt wird, desto besser ist die Prognose. Schon etwa zwei Tage nach Beginn eines akuten Reheschubs geht die Erkrankung in ein chronisches Stadium über.  

Hufrehe und Stoffwechsel

Bei weitem die häufigste Ursache für Hufrehe ist die fehlerhafte Fütterung („Fütterungsrehe“). Durch Fehlgärungen und schwere Störungen des Darmmilieus gelangen Toxine in den Blutkreislauf. Diese können gefäßverengend wirken und so zu einer verminderten Durchblutung der feinen Gefäße, wie sie im Gewebe im Hufinneren vorhanden sind, führen. 

Mehrere Auslöser für Hufrehe stehen im Zusammenhang mit dem Stoffwechsel: 

  • Vergiftungen (Schimmeltoxine, Giftpflanzen) 
  • Erkrankungen wie EMS (Equines Metabolisches Syndrom) oder Cushing
  • Hochdosierte oder dauerhafte Gabe von Medikamenten
  • Koliken, Infektionen 

Anders sieht es aus, wenn Hufrehe durch Überbelastung entsteht (Belastungsrehe), wie es bei andauernder Überanstrengung oder durch Laufen und Stehen auf harten Böden vorkommen kann.

Diese Symptome können darauf hindeuten, dass dein Pferd unter Hufrehe leidet

Je nach Stadium und Verlauf zeigen Pferde typische Symptome. Diese sind mehr oder weniger stark ausgeprägt, können auftreten, müssen aber nicht alle vorhanden sein:

  • Klammer Gang
  • Pferd bewegt sich ungern
  • Abwechselndes Entlasten der Beine
  • Lahmheit, insbesondere auf hartem Boden und in engen Wendungen
  • Schmerzreaktion beim Abdrücken mit der Hufzange
  • Wärmeentwicklung im Bereich der Hufe
  • Verstärkte Pulsation im Fesselbereich
  • Vorgestreckte Vorderbeine, weit unter den Körper geschobene Hinterbeine („Rehehaltung“)
  • Häufiges Liegen

So kannst du deinem Pferd in einem Reheschub helfen

Sofort Hilfe durch den Tierarzt holen

Beim Verdacht auf Hufrehe ist sofort ein Tierarzt zu holen. Hufrehe ist ein absoluter Notfall. Betroffene Pferde haben starke Schmerzen, und es droht ein chronischer Zustand. Der Tierarzt stellt die Diagnose und kann mit der richtigen Medikation die Entzündung im Huf und Schmerzen lindern. Auch durchblutungsfördernde oder beruhigende Mittel können je nach Bedarf zum Einsatz kommen.

Kühlen und großzügig einstreuen

Pferdebesitzer unterstützen ihr Pferd, indem sie die betroffenen Hufe mit Wasser kühlen. Ein besonders komfortabler Ruheplatz erleichtert es dem Pferd, sich auf den schmerzenden Hufen zu halten oder sich hinzulegen. Dies kann eine geräumige und tief eingestreute Box oder ein abgetrennter, ruhiger Liegeplatz mit weichem Sand (ohne Steine) sein.

Ruhe

Wichtig ist, dass das Pferd Ruhe auch vor Artgenossen hat und nicht zu viel oder schneller Bewegung gezwungen wird, sondern entspannt liegen kann, wenn es das möchte.

Heu und Wasser

Als Futter sollte im akuten Schub nur mageres, einwandfreies Heu und Wasser zur Verfügung stehen. Auf Kraftfutter, Obst und Leckerli ist unbedingt zu verzichten. Die weitere Fütterung erfolgt in Absprache mit dem behandelnden Tierarzt.

Wie du dein Hufrehe-Pferd richtig fütterst

Für Pferde, die entweder ein erhöhtes Risiko oder bereits eine Rehe-Erkrankung hinter sich haben, ist ein abgestimmtes Fütterungskonzept besonders wichtig.

Getreide liefert Stärke

Kohlenhydrate, wie sie im Getreide enthalten sind, werden im Körper in Zucker umgewandelt und stellen nützliche Energie bereit. Deshalb eignet sich Getreide sehr gut als Energielieferant für Pferde, die regelmäßig trainiert und gearbeitet werden. Der Organismus des Pferdes ist allerdings nicht darauf ausgelegt, große Mengen an Kohlenhydraten zu verstoffwechseln. Durch eine sehr stärkehaltige Fütterung kann es zu Dysbalancen und Fehlgärungen im Darm kommen, die den Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht bringen und zugleich Toxine freisetzen können.

Kraftfutter bewusst bemessen

Kraftfutterportionen sind also an das Arbeitspensum anzupassen. Flotte Ausritte oder Trainingseinheiten regen den Zuckerstoffwechsel an und rechtfertigen die Gabe von Kraftfutter. Bewegt sich ein Pferd nur nach Lust und Laune im Offenstall um die Weidehütte herum, kann sein Bedarf in der Regel mit Heu und Mineralfutter ausreichend gedeckt werden. 

Kraftfutter ist in mehreren kleinen Portionen zu füttern, am besten aufgeteilt auf zwei bis drei kleinere Mahlzeiten. 

Zugang zum Heu begrenzen

Für eine gesunde und normale Verdauungsfunktion ist das Raufutter in angepasster Menge wichtig. Da auch Heu über einen natürlichen Anteil an Zucker verfügt, sollte es nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen. Es kann mit Heunetzen oder durch Vermischung mit hochwertigem Futterstroh so dosiert werden, dass lange Fresszeiten nicht automatisch ein Zuviel an Energie bedeuten.

Vorsicht vor Süßem

Leckereien wie Obst und Brot stellen für Rehepferde eine echte Gefahr dar und werden am besten ganz vom Speiseplan gestrichen. Ersatz liefern eigens für stoffwechselempfindliche Pferde entwickelte Leckerlis, die viel Rohfaser und wenig Zucker liefern. 

Mischfutter wie Müslis oder fertiges Mash enthalten oftmals Melasse oder Rübenschnitzel. Für disponierte Pferde und Ponys gibt es extra Mischungen mit reduziertem Zuckergehalt. 

Gras hat es in sich

Weidegras kann je nach Jahreszeit, Witterung und sogar tageszeitabhängig einen hohen Anteil an Fruktanen enthalten. Diese pflanzlichen Mehrfachzucker bestehen überwiegend aus Fruchtzucker und speichern Energie im Gras. Langsames Anweiden und kontrolliertes Grasen ermöglichen eine strikte Begrenzung der aufgenommenen Mengen. Grundsätzlich steigt der Fruktangehalt im Winter, insbesondere bei Frost, weil das Gras nicht wachsen kann und die Energie speichert.

Was du beachten solltest, um Hufrehe vorzubeugen

  • Futterumstellungen langsam vornehmen (über 14 Tage)
  • Futterration hinterfragen (Ernährungsberater, Tierarzt)
  • Futterqualität prüfen (kein Schimmel, Pestizide, Bakterien)
  • Wiesen pflegen (Giftpflanzen!)
  • Kraftfutter je nach Arbeitspensum und in kleinen Portionen geben
  • Als Kraftfutter bevorzugt Hafer füttern
  • Energiegehalt im Heu berücksichtigen
  • Leckerlis und Belohnungsfutter sparsam einsetzen und mitberechnen
  • Diät und mehr Bewegung für übergewichtige Pferde
  • Sorgfältige und fachgerechte Pflege und Bearbeitung der Hufe
  • Stoffwechsel unterstützen durch gesicherte Nährstoffversorgung
  • Bewegung, Bewegung, Bewegung

Unterstütze den Stoffwechsel deines Pferdes

Wenn dein Pferd schon einmal Hufrehe hatte oder du befürchtest, es könnte gefährdet sein, achte auf qualitätsvolles Mineral- und Grundfutter. 

Versorge dein Pferd mit allen Nährstoffen, die es täglich braucht: Vitamine, Spurenelemente und Mineralien werden im Organismus benötigt, damit lebenswichtige Prozesse reibungslos ablaufen können. Fehlen Stoffe oder Bausteine für Entgiftungsvorgänge, kann es zu einer Überlastung des Stoffwechsels kommen. Umgekehrt steigt bei starker Beanspruchung der Entgiftungsorgane der Bedarf an einzelnen Nährstoffen. 

Bei Hufrehe ist grundsätzlich Vorsicht geboten und die Fütterung sollte unbedingt in Abspracht mit dem Tierarzt erfolgen. 

Wenn du den Stoffwechsel deines Pferdes entlasten möchtest, reduziere deine Fütterung auf wesentliche, hochwertige Komponenten.