Was der Fellwechsel für dein Pferd bedeutet und wie du ihm dabei helfen kannst…

Jeder Reiter und Pferdebesitzer kennt die fliegenden Härchen, die ihm beim Putzen zu Hunderten um die Nasenspitze wirbeln. Das ist wohl das Erste, an das wir beim Wort „Fellwechsel“ denken. Wenn sich am Putzplatz richtige Teppiche bilden, hat der Stoffwechsel deines Pferdes den größten Teil seiner Arbeit schon getan. Um dein Pferd dabei gezielt unterstützen zu können musst du wissen, was im Körper passiert und wann diese Anpassung an die neue Jahreszeit beginnt. 

Gut zu wissen: Anders als man vermuten könnte, strengt der Wechsel vom Winter- zum Sommerfell Pferde wesentlich mehr an als der Fellwechsel von Sommer zu Winter. 

Was passiert beim Fellwechsel im Körper des Pferdes?

Der Fellwechsel findet in der Haut statt: Als größtes Organ des Pferdes bildet sie bereits im Verborgenen die neuen Haare. Deutlich bevor die alten Haare ausfallen, benötigt der Körper für die Haarbildung Nährstoffe und Energie. Auch das Herausschieben der vorhandenen Haare muss vom Körper bewältigt werden.

Das Sommerfell ist leichter und besteht aus etwa 1-2 Zentimeter langen Haaren. Für das dichte Winterfell bringt die Haut längere Deck- und Langhaare hervor. Je nach Rasse, aber auch Temperatur prägt sich das Winterfell mehr oder weniger dicht aus. Pferde, die im Offenstall gehalten werden, verfügen daher über ein wesentlich dichteres Fell als Pferde, die im Stall gehalten werden. 

Extreme Temperaturen können für Pausen im Fellwechsel sorgen: Kälteeinbrüche verzögern die Bildung des Sommerfells. Ebenso können sehr heiße Phasen im Herbst für einen Aufschub bei der Entwicklung des Winterplüschs verantwortlich sein. Diese Temperaturwechsel in Verbindung mit dem dichten Fell belasten – insbesondere bei älteren Tieren – auch das Herz-Kreislauf-System. 

Wann beginnt der Fellwechsel und wie lange dauert er?

Während die Temperaturen im Laufe einer Jahreszeit durchaus die Qualität des Fells mitbestimmen, ist für den „Startschuss“ zum Haarwechsel ein ganz anderer Faktor maßgeblich: Hauptsächlich bestimmt die Tageslänge, wann das alte Haar nicht mehr gebraucht wird. Etwa ab dem jeweils kürzesten Tag im Jahr und ab dem längsten Tag im Jahr regt eine Hormondrüse (Zirbeldrüse) zur Neubildung des nächsten Haarkleides an. Die Produktion des neuen Fells sowie die Abstoßung des alten Haars gehen mit einem erhöhten Nährstoffbedarf einher. Die Wochen, in denen der Körper durch den Fellwechsel spürbar gefordert ist, liegen also erheblich vor dem sichtbaren Verlust des ausgedienten Haarkleids.

Wie lange es dauert, bis das Pferd vom Sommer- zum Winterfell (oder umgekehrt) gewechselt hat, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Neben der Fütterung beeinflussen auch Witterung und Haltungsform die Fellentwicklung. Hat ein Pferd nach Monaten noch mit dem alten Fell zu kämpfen, sollte ein Tierarzt prüfen, ob das Pferd gesund ist. 

Was bedeutet der Fellwechsel für den Organismus?

Damit das Pferd gut durch den Fellwechsel kommt, muss es ausreichend mit Energie und Nährstoffen versorgt sein. Der Körper nimmt sich, was er für die Bildung des neuen Fells in der Haut benötigt. Deckt die tägliche Fütterung den Bedarf nicht, entstehen Versorgungslücken, weil die Vitalstoffe „im Fell“ stecken. Unter Umständen fehlen sie dem Immunsystem. So erklärt sich die häufig erhöhte Infektanfälligkeit während des Fellwechsels. Auch Abgeschlagenheit und Müdigkeit kann diese Zeit der Umstellung mit sich bringen. Der Stoffwechsel läuft auf Hochtouren: Die Haut als Entgiftungsorgan ist mit der Fellbildung beschäftigt, umso mehr werden Leber und Nieren für die Stoffwechselprozesse gefordert. 

Im Alter verlangsamt sich naturgemäß der Stoffwechsel und dadurch sind ältere Pferde in dieser Zeit besonders belastet. Auch stoffwechselempfindliche und kranke Pferde verdienen erhöhte Aufmerksamkeit. Sowohl das Equine Metabolische Syndrom (EMS) als auch Ekzeme und andere chronische Erkrankungen erschweren Pferden den Fellwechsel. 

So kannst du dein Pferd unterstützen, damit es gut durch den Fellwechsel kommt

Gründliches Putzen dient als Massage und ist nicht nur wohltuend für Pferde, sondern regt auch die Durchblutung der Haut an. So unterstützen Reiter bei der täglichen Pflege die Aktivität des Hautstoffwechsels. 

Eine effektive Vorbereitung auf den Fellwechsel stellt eine dauerhaft bedarfsdeckende Nährstoffversorgung da. Zeigen sich Probleme im Fell, ist es bereits zu spät. Eine Anpassung in der Fütterung wirkt sich erst mehrere Wochen oder Monate nach der Umstellung aus. Zur Gesunderhaltung des Pferdes sollte eine Unterversorgung deshalb unbedingt vermieden werden. 

Für die Umstellung auf das Winterfell ist eine zusätzliche Futterergänzung bereits im Sommer (ab Ende Juli) zu beginnen, umgekehrt entscheidet die Winterfütterung (ab Ende Dezember) über die Entwicklung des Sommerfells. 

Unterstützung des Fellwechsels mit Futterergänzungen

Wenn dein Pferd Schwierigkeiten mit dem Fellwechsel hat, kannst du ihm helfen, indem du bestimmte Nährstoffe zufütterst: 

  • Vitamine und Zink 

Vor allem B-Vitamine aktivieren den Hautstoffwechsel und unterstützen sowohl die Nährstoffaufnahme im Darm als auch die Entgiftungsorgane Leber und Niere

  • Leinöl (kaltgepresst)

Essenzielle Fettsäuren wirken entzündungshemmend (Ekzeme), tragen zu einer intakten Verdauung bei und liefern zusätzliche Energie 

  • Kräuter

Leberschützende Pflanzenstoffe aus Mariendistel und Artischocke fördern den Leberstoffwechsel und erleichtern Entgiftungsprozesse im Körper

Nicht jedes Pferd braucht Futterergänzungen für den Fellwechsel. Wann Zusätze sinnvoll sind und vor allem, welche dein Pferd wirklich braucht, erfordert viel Wissen und Erfahrung. Wie der Name schon sagt sollen Futterergänzungen bei Nährstofflücken hinzugezogen werden. 

Spezielle Zusätze für den Fellwechsel haben meist die Inhaltsstoffe Biotin und Zink, da diese direkt auf Haut und Fell wirken. Biotin, was sonst im Dickdarm beim Verzehr von Rauhfaser gebildet wird steht dann bei den meisten Pferden zur Fellwechselzeit ausreichend zur Verfügung.