Was du über Arthrose beim Pferd wissen solltest

Scheinbar selbstverständlich sind Pferde mehr oder weniger den ganzen Tag in Bewegung, sofern es die Haltung zulässt: Schritt, Trab und Galopp sowie längere Strecken oder kurze Sprints – gesunde Pferde lieben und brauchen ihr tägliches Pensum an Aktivität. 

Manche Pferde aber bewegen sich tatsächlich nicht mehr so gern und ziehen sich deshalb auch aus dem Herdenleben zurück. Dabei sind oftmals Schmerzen die Ursache, insbesondere im Bewegungsapparat. Setzt sich dein Pferd nur unwillig in Gang oder braucht zu Beginn der Trainingseinheit eine Weile, um sich einzulaufen? Dann beobachte dein Pferd einmal genau und überlege dir, ob du es auf Arthrose untersuchen lässt. Nicht immer ist diese Gelenkerkrankung eine Alterserscheinung. Es gibt verschiedene Ursachen für den fortschreitenden Gelenkverschleiß. 

Lässt durch Arthrose bedingt die Stoßdämpferfunktion des Gelenkknorpels nach, laufen auch Pferde buchstäblich nicht mehr „wie geschmiert“. 

Als aufmerksamer Pferdebesitzer oder Reiter kannst du aber vieles tun, um deinem Pferd das Leben mit Arthrose angenehmer und leichter zu machen. Wichtig ist, zu wissen, was die degenerative Gelenkerkrankung genau macht, und was sie für dein Pferd bedeutet.

Das passiert im Körper deines Pferdes bei Arthrose

Definition

Als degenerative Erkrankung führt Arthrose zu dauerhaften Veränderungen an Knorpel und Gelenkstruktur. Dabei kann es sich um Abnutzung des Gelenks handeln, aber auch um Knochenzubildung. Diese entwickeln sich schleichend und können insbesondere im Alter sehr langsam fortschreiten, führen aber zu einer Einschränkung der Gelenkfunktion.

Ist die Knorpelsubstanz im Gelenk geschädigt, reiben die Knochen aneinander. In der Folge kommt es zu Gelenkentzündungen oder Reaktionen des Knochens: Die Bildung von Knochenzacken- oder spitzen verengt den Gelenkspalt und vermindert die Beweglichkeit des Gelenks.

Für eine normale Gelenkmobilität sorgt unter anderem die Gelenkschmiere (Synovia). Die spezielle Flüssigkeit im Gelenkspalt liefert dem Knorpel Nährstoffe und schmiert zugleich das Gelenk für reibungslose und leicht gehende Bewegungen. Ist diese schützende Gleitschicht geschädigt, kann sich aus der Mehrbelastung der Knochen eine Arthrose entwickeln.

Ursachen

Arthrose wird auch bei Pferden häufig in Verbindung mit einem höheren Lebensalter genannt. Allerdings kommen wesentlich mehr Ursachen in Betracht, und längst nicht jede Arthrose lässt sich auf altersbedingten Verschleiß zurückführen. 

Typische Auslöser sind vorangegangene Gelenkentzündungen, die durch Stürze, Verletzungen oder Überbeanspruchung entstehen können. Sowohl durch Überforderung im Training, zu frühes Anreiten, aber auch durch Fehlstellungen der Hufe, unsachgemäße Hufbearbeitung oder Gelenkchips kann Arthrose verursacht werden. 

Nährstoffmängel und Fütterungsfehler insbesondere während der Fohlenzeit und in Wachstumsphasen haben oftmals fatale Auswirkungen auf den Bewegungsapparat. Eine stabile und bedarfsgerechte Versorgung mit Spurenelementen wie Silizium, Kupfer und Mangan ist unentbehrlich für den Erhalt der Knorpelsubstanz.

Diagnose

Arthrose wird bei Pferden häufig in den Beinen diagnostiziert, sie kann aber genauso in anderen Bereichen wie im Kiefergelenk, in der Halswirbelsäule oder im Bereich des Rückens auftreten. 

Je nachdem, wo der Tierarzt Gelenkprobleme vermutet, wird er zunächst die Beweglichkeit des Gelenks prüfen und es auf tastbare Veränderungen wie Schwellungen, sowie auf Wärmebildung untersuchen. 

Wenn möglich kommen bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder MRT (Magnetresonanztomographie) zum Einsatz.

Diese Anzeichen kann dein Pferd bei Arthrose zeigen

Arthrose entwickelt sich meist über einen längeren Zeitraum und wird vom Pferdebesitzer deshalb oft erst spät erkannt. Anzeichen, die auf Gelenkprobleme hindeuten:

  • Bewegungsunlust
  • Häufiges Stolpern
  • Gallenbildung an den Gelenken
  • Schwammiges Gewebe im Gelenkbereich
  • Wärmebildung oder Schwellung am Gelenk
  • Steifer Gang
  • Verweigern von Sprüngen und/ oder einzelnen Lektionen
  • Lahmheiten
  • Verbesserung des Gangbildes und der Beweglichkeit nach einer Aufwärmphase

Typisch für arthrosebedingte Gelenkschmerzen ist die Verschlechterung bei extremen Temperaturen. Sowohl Kälte als auch Hitze können die Symptome verstärken, moderate Witterung sorgt häufig für eine Linderung der Beschwerden.

So kannst du deinem Pferd ein Leben mit Arthrose erleichtern

Schonend bewegen

Ob und in welchem Maße ein Pferd, das an Arthrose erkrankt ist, reitbar ist, muss jeweils der Tierarzt entscheiden. Bewegung an sich ist wichtig, denn sie sorgt für die Bildung von Gelenkschmiere und unterstützt so grundsätzlich den Schutz der Gelenke. 

Voraussetzung ist allerdings, dass betroffene Pferde ausschließlich sanft und schonend bewegt werden. Das bedeutet, die Gelenke möglichst wenig zu belasten:

  • Keine engen Wendungen oder abrupten Stopps
  • Gute Bodenbeschaffenheit (weder tiefe, rutschige noch harte Böden)
  • Lange Aufwärmphasen (mindestens 20 Minuten Schritt)
  • Wenig gebogene Linien (Longieren nur in Absprache mit dem Tierarzt)
  • Viel Auslauf in ruhiger, sozialer Umgebung

Entspannung und Wohlbefinden

Pferde, die an Arthrose leiden, sind besonders darauf angewiesen, dass sie sich in ihrer Umgebung wohl und sicher fühlen. Pferdebesitzer sollten darauf achten, dass es genügend Rückzugsmöglichkeiten gibt. Sowohl vor Kälte, Wind und Nässe als auch vor fordernden Artgenossen sollten sich Arthrosepatienten jederzeit schützen können. Warme und großzügig eingestreute Liegeplätze in ausreichender Anzahl gewährleisten Ruhe und Entspannung. 

Mit wärmenden Decken oder speziell abgestimmtem Ergänzungsfutter lassen sich Muskelverspannungen vorbeugen und die Losgelassenheit des Pferdes unterstützen: Eine lockere Muskulatur arbeitet effektiver und kann die Gelenke entlasten.  

In regelmäßigen Intervallen durchgeführte physiotherapeutische Behandlungen lösen frühzeitig Blockaden und beugen Verspannungen vor. Gezielte Übungen erleichtern es Pferd und Reiter, schonend am Muskelaufbau zu arbeiten. 

Fütterung anpassen

Ein entscheidender Faktor bei der Entwicklung von Arthrose ist Übergewicht: Viele Pferde tragen Kilos mit sich herum, die den Bewegungsapparat unnötig belasten und langfristig zu Schäden an den Gelenken führen.

Erste Maßnahme ist hier ein individuelles Fütterungskonzept, das Pferde wieder auf ihr Normalgewicht bringt. 

Zusätzliche Linderung der Beschwerden verschaffen Zusatzfutter, die dem Körper sogenannte Gelenknährstoffe liefern. Sie unterstützen den Erhalt und Regeneration der Knorpelsubstanz und können die Mobilität der Gelenke fördern.

Wie du Arthrose vorbeugen kannst

Je nachdem, wie alt ein Pferd wird und wie es im Laufe seines Lebens gefordert wurde, kann es auch altersbedingt an Arthrose erkranken. 

Wer aufmerksam und bewusst mit seinem Pferd umgeht und sowohl in Haltung und Fütterung als im Bereich des Trainings Rücksicht nimmt, kann viele Risikofaktoren ausschalten oder stark reduzieren:

  • Viel Schritt, lange Warm-ups
  • Training und Ausbildung entsprechend der Skala der Ausbildung
  • Viel freie und regelmäßige Bewegung und täglicher Auslauf
  • Fachgerechte Hufbearbeitung oder Beschlag
  • Ausgewogene und bedarfsgerechte Ernährung
  • Kontrolle des Körpergewichts des Pferdes
  • Zuverlässiger Witterungsschutz bei Offenstallhaltung
  • Passende Bodenbeschaffenheit

Unterstütze dein Pferd durch Ergänzungsfutter

Vielleicht möchtest du deinem Pferd das Leben mit Arthrose etwas leichter machen? Vieles kannst du im Alltag selbst tun, indem du dein Pferd ruhig und mit viel Rücksicht auf seinen Bewegungsapparat beschäftigst: Spaziergänge im Schritt und an der Hand genießt dein Pferd. Sie schonen die Gelenke und stärken eure Verbindung.

Mit gezielten Ergänzungsfuttermitteln kannst du versuchen, die Symptome deines Pferdes zu lindern. Gelenknährstoffe wirken sich positiv auf den Gelenkstoffwechsel aus und können das Gangbild verbessern.

Wenn du dir nicht sicher bist, was für dein Pferd richtig ist, beraten wir dich selbstverständlich.  

Wir freuen uns, wenn du anrufst oder eine Nachricht an uns schickst und helfen dir natürlich gern weiter!